Schulkinder: Der Umgang
mit dem Essen
Doris Bächli
Die Ernährung unseres Sohnes Pascal, der gerade 13 Jahre alt
wurde, 1.55 m gross und 45 kg schwer ist, betrifft die ganze Familie:
Samuel (4), Carla (8), Pascal (13), mein Mann Andreas und mich.
Samuel und Carla haben ein normales Essverhalten. Es gibt vieles,
das sie gern haben und anderes, das sie überhaupt nicht essen.
Es gibt Tage, an denen ist ihr Hunger riesig und andere, an denen
sie die Esserei eigentlich gar nicht interessiert. Pascal hat alles
gern. Er hat immer Hunger, wenn es Zeit ist zum Essen und er isst
seinen Teller aus. Für Carla und Samuel ist das völlig
normal. Beide wissen, dass sie andere Milch trinken, andere Glace
essen und anderen Sirup trinken als ihr grosser Bruder. Und auch
Pascal ist sich dieser Unterschiede bewusst.
Vor dem Seminartag versuchte ich mir zu überlegen, was eigentlich
unser Konzept für Pascals Diät ist. Die Diät ist
in den letzten 12 Jahren nach und nach entstanden und unserer Familie
und deren Gewohnheiten angepasst. Bestimmt haben sich diese auch
der Situation angepasst. Neben den vielen Gesprächen mit anderen
Eltern habe ich auch aus eigenen Fehlern gelernt. Sporadische Gespräche
mit Ernährungsberaterinnen halfen mir, Sicherheit in der Situation
zu bekommen.
Wir essen, wenn immer möglich, gemeinsam und immer am Tisch
und so wird nicht nur gegessen, sondern auch erzählt und geplaudert.
In der Regel schöpft bei uns ein Erwachsener für alle.
Pascal weiss, dass bei ihm immer ein zweites Mal geschöpft
wird. In der Regel hat es bei Hauptmahlzeiten etwas dabei, von dem
Pascal „viel“ nehmen darf. Pascal ist stolz darauf,
unser grosser Salattiger zu sein. Anderseits versuche ich überflüssige
Kalorien bei Pascal zu vermeiden. Er bekommt weder Butter, noch
Vollmilch, Schoggi, Süssgetränke, Frittiertes, Mayonnaise
oder ähnliches. Dafür hat er seine eigenen Lebensmittel,
die er manchmal mit mir aussucht: so z.B. light Yoghurt, Magermilch
oder Früchte. Die Geschwister müssen ihn fragen, wenn
sie eines „seiner“ Yoghurts essen möchten. Teilen
fällt ihm leicht, wenn er ganz sicher ist, dass er trotzdem
etwas bekommt.
All dies gilt bei uns zu Hause und muss längst nicht mehr
diskutiert werden. Solange Pascals Gewichtsentwicklung „normal“
verläuft, versuchen wir die Diät nicht als enge Vorgaben,
sondern bloss als Leitplanken im Alltag zu brauchen. Auswärts,
oder an einem Geburtstag, oder auf einer Wanderung gibt es immer
wieder Ausnahmen.
Über 10 Jahre hat Pascal lieber Durst gehabt, als Wasser zu
trinken. Damals sind wir auf verdünnte Fruchtsäfte und
light Sirup ausgewichen. Veränderungen sind aber immer möglich.
So hat uns Pascal kürzlich positiv überrascht, als er
sich entschied, zum Mittagessen, Wasser zu trinken wie seine Eltern.
Zur Kontrolle, ob die Mengen stimmen und um Veränderungen
zu erkennen, steht Pascal 3-4 Mal pro Monat auf die Waage. Wir schreiben
das Gewicht gemeinsam auf, ohne es sofort zu bewerten. Geht sein
Gewicht zu schnell nach oben, weiss ich allerdings, dass ich die
Portionen etwas reduzieren muss. Ich bin froh, dass es noch möglich
ist, die Mengenkontrolle vorwiegend auf mein Gefühl abzustützen.
Wir haben das grosse Glück, dass Pascal sich gerne bewegt,
im Sommer und im Winter Sport machen kann und einen schweisstreibenden
2 km langen Schulweg hat.
Um „Unfälle“ zu vermeiden, reden wir mit allen,
die mit Pascal zu tun haben, offen über das Syndrom und versuchen,
sie angepasst zu informieren. Für Pascal selbst ist es wichtig
zu wissen, dass die Menschen in seinem Umfeld darüber Bescheid
wissen. So gibt es für ihn weniger Stress, nach Essen zu fragen
oder danach zu suchen.
Trotz all der Einschränkungen hat Pascal Freude am Essen.
Diese will ich ihm nicht nehmen. Ich teile sie gerne mit ihm. Den
Versuchungen rund ums Essen zu widerstehen, helfe ich ihm, im Wissen,
dass er es alleine nicht kann.
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