Medizinische
Besonderheiten der Prader-Willi-Syndrom Patienten für die Notfallambulanz
Janalee Heinemann
Dieser Text wurde von Medizinern, die mit dem Syndrom vertraut sind
geprüft und gegengelesen.
Herkunft: PWS-Info Ausgabe 2004
Spezielle Probleme im Säuglingsalter
Obwohl das Vermeiden von lebensbedrohlichem Übergewicht die
Hauptsache für ältere / erwachsene PWS-Betroffene ist,
ist das größte Problem für Säuglinge mit PWS
das Schlucken. Der schwache Muskeltonus macht das Saugen schwierig.
(Die PWSA, USA haben eine detaillierte Broschüre zur Ernährung
von Säuglingen herausgegeben).
Wenn ein Säugling Atemprobleme hat, sollte er/ sie besonders
genau überwacht werden, da der schwache Muskeltonus das Abhusten
von Sekreten
erschwert. Ein Säugling mit Magensonde kann ebenfalls größere
Schwierigkeiten beim Atmen oder Aufstoßen haben.
Altersunabhängige Probleme
Aufgrund des Fehlens von typischen Schmerzsignalen an das Gehirn,
schlechter Regulierung der Körpertemperatur und des Unvermögens,
sich zu
erbrechen, kann ein PWS-Betroffener ernsthafte medizinische Probleme
haben, die jedoch unentdeckt bleiben.
(Dies wird verursacht durch die Dysfunktion des Hypothalamus im
Gehirn). Daher sollte das Folgende beachtet werden.
Fieber
Ein PWS-Betroffener kann Fieber nicht bemerken, selbst wenn er ernsthaft
erkrankt ist, ja er kann sogar manchmal eine dramatisch niedrige Temperatur
haben. Daher sollten selbst leichte Veränderungen der Körpertemperatur
als Warnsignal gedeutet werden. Schmerzen
Schmerzen PWS-Betroffene zeigen manchmal eine erhöhte Schmerzschwelle.
Daher müssen bekannte Erkrankungen genau untersucht werden,
um eine Verschlechterung rechtzeitig zu erkennen. Ebenso sollten
Anzeichen von Schmerz genau beobachtet werden, auch wenn die Betroffenen
nicht davon erzählen. Auch ohne direkte Klagen des Betroffenen,
sollten alle möglichen Symptome einer Erkrankung untersucht
werden. Berichte von unentdeckten, schweren Gallenblasenerkrankungen
und Infekten sind häufig.
Erbrechen
PWS-Betroffene zeigen im Allgemeinen keinen Brechreflex. Daher
sollten Fälle von Erbrechen in jedem Fall sorgfältig untersucht
werden. Wenn ein PWS-Betroffener über plötzlich auftretende
Schmerzen klagt, sich erbricht und im Darmbereich Krämpfe oder
Blutungen auftreten, kann dies ein Zeichen von lebensbedrohender
Gallenblasenentzündung oder Nekrose sein, die eine Notoperation
erforderlich macht. (Mehr Details in unserer
Notfallbroschüre). Es kann auch eine Warnsignal sein, dass
der PWS-Betroffene eine riesige Menge Nahrung zu sich genommen hat.
Was auch immer, der Tod kann innerhalb von Stunden eintreten. Diese
Bauchbeschwerden betreffen eher Teenager oder Erwachsene mit PWS.
Knochenbrüche
Durch die erhöhte Schmerzschwelle, ist es nicht ungewöhnlich
für PWS-Betroffene, einen unentdeckten Knochenbruch zu haben.
Nach einem Sturz oder einer anderen Verletzung, sollte ein PWS-Betroffener
genaustens auf Veränderungen im Gangbild oder bei der Beweglichkeit
der Arme untersucht werden. Achten Sie auf Schwellungen und
sonstige Veränderungen.
Narkose
Personen mit PWS können sehr stark auf die Narkose reagieren.
Daher sollte eine Narkose eng überwacht werden. Lungenprobleme
können auch die Kinder / Erwachsene mit extremem Übergewicht
bekommen.
Kinder / Erwachsene mit PWS
Probleme durch extremes Übergewicht
Bluthochdruck, Diabetes, Herzversagen und Atemnot sind die häufigsten
Probleme für die älteren Kinder / Erwachsenen, die extrem
übergewichtig sind. Diese Gewichtszunahme entsteht durch ihr
ständiges Hungergefühl und die Neigung, auch bei sehr
wenig Kalorien bereits an Gewicht zulegen.
Suche nach Essen
Unbeobachtet kann ein PWS-Betroffener lebensbedrohliche Mengen
Essen verdrücken. Eine dramatische Gewichtszunahme innerhalb
eines Tages – besonders wenn er verbunden ist mit Magenverstimmungen
oder Erbrechen – kann ein Zeichen dafür sein, dass
der Betroffene in einer akuten kritischen Situation ist. Ein
Magendurchbruch ist möglich. Durchfall, auffällige
Wassereinlagerungen oder Flüssigkeitsverluste sind Anlass
zur Beunruhigung.
Schlafapnoe
Extremes Übergewicht in Verbindung mit schwachem Muskeltonus
können mit hoher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Atmungsprobleme
verursachen. Schlafapnoe ist daher weit verbreitet. Es ist verbunden
mit einer geringeren Sauerstoffaufnahme, einem unregelmäßigen
Atemrhythmus, schnarchen und kurzen Perioden von Atemaussetzern
während des Schlafes.
Hautverletzungen
Durch chronisches Hautzupfen, ein anderes charakteristisches Merkmal
des Syndroms, sollten Betroffene sorgfältig auf offene, nässende
Wunden und Infektionen untersucht werden. Gibt es solche Stellen,
sollte man nach Anzeichen einer akuten Entzündung, wie Erwärmung,
Rötungen, Bluten und Nässen suchen.
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